Die 30er Jahre – Silver Screen Glamour

Sep 08, 14 Die 30er Jahre – Silver Screen Glamour

Die dreißiger Jahre sind mein absolutes Styling Lieblingsjahrzehnt ♥

In keinem Jahrzehnt waren die Frauen so ladylike und gleichzeitig sexy. Aufwendige glamouröse Frisuren und wunderschönes Makeup zu figurbetonter und extrem weiblicher Mode – die Rückkehr der Eleganz.

Die 30er Jahre waren allerdings eine schwere Zeit. Die Weltwirtschaftskrise, die nachfolgende Massenarbeitslosigkeit und die schlimme Serie von Sandstürmen in den USA, genannt dust bowl, die Hungersnöte hervorruft, sorgen für den nicht gerade schönen Namen der Dreißigerjahre: Dirty Thirties.

Europa erlebt den Aufstieg des Faschismus: 1933 übernehmen die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht und in Spanien wütet ab 1936 für drei Jahre Bürgerkrieg – es folgt die Diktatur wie in Deutschland und Italien.

Viele Menschen füchten sich deshalb in die Märchenwelten des silver screen, der Kinoleinwand, wie sie ihnen von Fred Astaire und Ginger Rogers vorgespielt werden. Schauspielerinnen wie Marlene Dietrich, Greta Garbo, Joan Crawford, Carole Lombard und Jean Harlow sind die Ikonen der 30er Jahre, deren Look von den Frauen auf der ganzen Welt nachgeahmt wird.

30er Jahre Makeup30er Jahre

Schwerpunkt im Gesicht der 30er Jahre sind die Augen. Lidschatten in Puderform gibt es nun in allen Schattierungen. Mit einem dunklen Ton wird die Wölbung des Lids akzentuiert, das einen melancholischen oder mysteriösen Ausdruck à la Greta Garbo haben sollte.

Die Wimpern werden mit der neuen, flüssigen Mascara betont. Es gibt Wimperntusche sogar in blau und grün, am häufigsten wird aber wie heutzutage braun oder schwarz getuscht.

Die Aufmerksamkeit richtet sich dadurch auf die extrem dünnen Augenbrauen, die stark gezupft oder ganz entfernt und dann sehr dünn neu gezeichnet werden.

Für die Wirkung30er Jahre einer echten femme fatale imitierte man den Look von Marlene Dietrich, die falsche Wimpern anbrachte, die Augen nur halb öffnete und den Kopf in den Nacken warf.

Die Lippen wurden deutlich heller geschminkt als bei einem 20er Makeup und sehr voll gemalt.

Farbtöne wie Kirsche, Erdbeere, Scharlach, Orange und Rosé übernehmen die Führung von den dunklen bläulichroten und violetten Nuancen der 20er Jahre.

Unter die Wangen kam oft bräunliches Rouge, in Dreiecksform von der Mitte der Wange bis zur Schläfe aufgetragen, um die Wangen hohler erscheinen zu lassen und dem Gesicht einen dramatischen Look zu geben. Aber auch rosé für einen frischen Teint wird be30er Jahre Makeupnutzt.

Interessanterweise wird in den Dreißigern das Rouge auch oft direkt unter den Augen beginnend aufgetragen, das sieht man im Bild rechts.

Doch die Makeup Innovation schlechthin war die erste Grundierung (fond de teint) – der Pancake von Max Factor. Das Kompakt-Make-up war ursprünglich von dem Hollywood-Visagisten für Schauspielerinnen entwickelt worden, kam aber 1938 für normalsterbliche Frauen auf den Markt und war ein Riesenerfolg.

Zum ersten Mal in der Geschichte konnte man den Teint einfach und relativ natürlich abdecken und vereinheitlichen. Die deutschen Frauen mussten sich allerdings bis nach dem zweiten Weltkrieg gedulden.

30er Jahre30er Jahre Frisuren

Die Frauen lehnten zunehmend die männlichen Frisuren wie den Bubikopf ab und trugen das Haar wieder länger und weiblich gestylt.

Beliebt waren insbesondere Wellenfrisuren á la Marlene Dietrich in halblangem Haar. Die Wasserwelle bzw. Fingerwelle (finger waves) erlebt jetzt Hochkonjunktur.

Aber auch die Dauerwelle tritt ihren Siegeszug an. Kurzhaarfrisuren gibt es fast nur noch in Kombination mit einer Dauerwelle.

30er Frisur Page-Boy

Ginger Rogers, Page-Boy

Ab 1935 enstehen die aufwendig mittels Pincurls (Papilloten) vorbereiteten und dann gelegten Frisuren, die antike Vorbilder hat und die Frisuren der Vierziger Jahre bestimmen werden. Teile der Frisuren sind Rollen, Wellen und Locken die zu komplizierten Frisuren gesteckt werden.

Auch der Ende der Dreißigiger aufkommende Page-Boy ist eine klassisch inspirierte Frisur und erinnert an eine ägyptische Perücke.

Der Pagenkopf der 30er Jahre hat allerdings am Ansatz oft eine gelegte Welle und an den Seiten einige Pincurls, die in weniger streng aussehen lassen.

Beliebteste Haarfarbe der 30er Jahre war blond, am besten Platinblond, das das Scheinwerferlicht ideal reflektierte und wunderbar mit den hellen Abendroben aus Seide harmonierte.

30er Jahre Mode30er Jahre

Die Androgynität der Zwanziger  ist zwar passé, aber dem Ideal der 30er Jahre entspricht ein schlanker Körper. Dazu gehören breite Schultern und eine deutlich erkennbare Taille bei schmalen Hüften.

Büstenhalter sind nun nicht mehr dazu da, die Brust flachzupressen, sondern zu heben und zu modellieren.

In Sachen Mode gibt es bei den Damen eine bisher unbekannte Entscheidungsfreiheit. Ein schmal geschnittenes Kleid mit Taillengürtel ist genauso tragbar wie ein Kostüm, das zur Alltagsmode wird. In den Dreißigern ist letzteres die Kombination aus einem bis zur Wade reichendem, glockenförmigen 30er jahreRock und einer taillierten Jacke aus dem gleichen Stoff.

Bei den Alltagskleidern zeichnen enganliegende Ärmel den schlanken Oberarm nach. Die Schulterpartie wird mit aufwendigem Kragen oder Schleife und mit Puffärmeln betont.

Die 30er Jahre sind Pelzzeit. Pelzmäntel oder zumindest Pelzbesätze sind im Winter ein Muss. Zur Abendgarderobe gehört eine Pelzstola und tagsüber schmückt man sich mit einem Fuchs um die Schultern.

Die Topfhüte der 20er Jahre werden von kleinen verzierten Hüten abgelöst. Die Dreißiger haben eine unglaublich aufwendige Hutmode mit sehr verspielten und teilweise recht verrückten Modellen.

Ferien am Meer und Sonnenbaden wird immer populärer. Man trägt Blusen und Pullover im Matrosenstil und dazu Shorts.

30er Jahre

Jean Harlow , Seidenkleid bias cut

In der Abendmode gibt es hauptsächlich zwei Stilrichtungen:

Einmal die von der Designerin Madeleine Vionnet eingeführten bodenlangen Kleidern aus fließenden Materialien im Schrägschnitt (englisch: bias cut). Der Schrägschnitt war eine geniale Erfindung, da er dem Material Elastizität gab, lange bevor Lycra erfunden wurde.

Die meist aus Seidensatin gefertigten Abendroben hatten keine Verschlüsse, sondern wurden über den Kopf gezogen. Busen, Taille und Hüfte kommen richtig zur Geltung  (genau wie jedes Pölsterchen), zum Saum hin schwingen die Kleider in natürlichen Falten auf. Insbesondere weiße Abendkleider bringen die moderne Sommerbräune vorteilhaft zur Geltung und sind in Hollywood als das „Große Weiße“ sehr beliebt.

30er Jahre

Zum anderen gab es Kleider, die von der belle époque (ca 1870 – 1914) mit ihren engen Miedern, Schleifen und weiten Röcken inspiriert waren.

Der Busenansatz bleibt jedoch weitestgehend verdeckt – man schreibt es der prüden US Filmzensur zu, die dadurch Masstäbe setzte. Dafür gab es für die Rückenausschnitte keine Grenzen.

Das kennt man schon aus den tanzversessenen 20er Jahren, denn bei Charleston & Co  sah man von den Abendkleidern nur den Rücken, weswegen dieser auch deutlich betont wurde.

Tanzpalast Savoy 30er Jahre

Savoy Ballroom, New York

Swingära & Tanzpaläste

Auch in den 30ern war Hauptvergnügen das Tanzen, insbesondere Swing, aber auch Tango und Foxtrott bleiben beliebt.

Getanzt wurde zu den Klängen der Big Bands in Tanzpalästen und Ballsälen wie dem berühmten Savoy Ballroom in New York, wo der Lindy Hop entstand, ein Stilrichtung des Swing.

30er Jahre Tanzpalast

Alkazar Berlin, Pavillon Mascotte

Aber auch Berlin war berühmt für seine Tanzpaläste und Vergnügungsstätten. Im  „Haus Vaterland“ spielten zwölf Kapellen abwechselnd auf mehreren Bühnen und es tanzten mehr als 20 Revue-Girls.

Und unter der strahlenden Kuppel des Berliner „Alkazar“ flogen im 80-km-Tempo die Pigettys in ihrer „Luftrevue“ durch den Ballsaal.

Die „Femina“ war damals schon ein Haus der Superlative mit über 2.000 Sitzplätzen, einem riesigen Ballsaal, Rohrpost, die von livrierten Hostessen ausgetragen wurden, Tischtelefonen, 2 großen Herrenbars und drei festangestellen Orchestern.

Ende der Zwanziger waren schon Vergnügungsstätten wie das „Moka Efti“ in der Friedrichstraße oder das „Resi“ in der Hasenheide entstanden, die auch in den Dreißigern die Tanzenden in Heerscharen  anzogen.

30er Jahre

Femina Zeitungsannonce

Das Resi verfügte über 200 Tischtelefone mit einer Rohrpost und mit seiner grandiosen Wasserorgel war es damals ein Aushängeschild der Berliner Tanzkultur.

Das Moka Efti verpflichtete in den 30er Jahren das bis dahin völlig unbekannte Orchester James Kok, das den Swing spielte, der gerade in den USA und dann in Berlin für Furore sorgte.

Die Orchesterszene war damals international, Berlin war zwischen 1930 und 1940 eine Metropole von internationalem Rang – 1936 waren in Berlin die Olympischen Sommerspiele.

 

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4 Kommentare

  1. hexihex /

    Hallo,
    bin zufällig über die Seite gestolpert und: Kompliment – Sie ist gelungen. Informativ, für alle, die "mal was gehört haben", sich aber nicht so gut auskennen. Vieles, das hier in komprimierter Form dargeboten wird, ist mir aus jahrelanger (ausschließlich privater) Beschäftigung zwar bereits bekannt gewesen, doch gab es auch Dinge, die ich nicht "so genau" wusste und der Beitrag über die Schminkpinsel leistete da Abhilfe. Nun weiß ich, wie ich meinen Kabuki noch einsetzen kann und welche Pinsel ich mir (ich muss mal Welche ersetzen) demnächst garantiert beschaffen werde.
    Eine Anregung hätte ich aber auch. Trotz geeignetem Werkzeugs ist es mir nie gelungen, einen Lidstrich zu ziehen. Geübt hatte ich wohl erstmals als ich 12/13 war. – Mit dem Flüssigeyeliner meiner Mutter. Natürlich habe ich im laufe der Jahre so ziemlich alles ausprobiert, war aber nie wirklich überzeugt. Die "Filtstifte" waren zwar leicht zu handhaben, hinterließen aber stets Striche oberhalb der Lidfalte (offenbar – früher schon – leichteSchlupflider). Geleyeliner in Töpchen waren da schon besser, nur innerhalb kürzester Zeit so trocken, dass sich mit dem Pinsel keine Farbe mehr aufnehmen ließ. Geblieben sind allein die Experimente mit dem Flüssigen, doch bekomme ich hier kaum (schon gar nicht unter Zeitdruck) eine gleichmäßige Linie (es tanzen offenbar ein paar Wimpern aus der Reihe) hin. – Von Verdickungen Selbiger oder einem kleinen Schwalbenschwanz gar ganz zu Schweigen. Ich dachte deshalb, dass Profi's hier vielleicht mit ein paar Tricks aufwarten könnten. Wie also wäre es mit einem Tutorial zu diesem Thema. Mich interessiert das, nachdem ich vor Jahren von einer Visagistin im Marlene Dietrich – Look geschminkt wurde und vom Ergebnis sehr angetan war. Meine Augen, das weiß ich seit langem, brauchen einen Rahmen, den die hellen Wimpern eben nicht liefern. Natürlich färbe ich die Wimpern, aber auch das verblasst ja recht schnell. Ich nehme an, dass das auch Andere interessieren könnte, die ältere Mode lieben.

    So, nun aber zum 30er – Artikel.
    Ihr schreibt: " bodenlangen Kleidern aus fließenden Materialien im Schrägschnitt (englisch: bias cut). Der Schrägschnitt war eine geniale Erfindung, da er dem Material Elastizität gab, lange bevor Lycra erfunden wurde."
    Das ist zwar richtig, aber auch mit Nachtreilen behaftet.
    Wenn sich der Stoff um breitere Körperpartien (z.B. die Hüfte) etwas dehnt, ist das bestimmt bequemer, der unschöne Nebeneffekt aber sind Querzüge an anderen Stellen des Kleides und/oder ein ringsum unterschiedlich langer Rocksaum. In jedem Falle aber ruiniert das den Gesamteindruck. Dem Einsparen von Verschlüssen konnte der bias cut aus den gleichen Gründen ebenfalls nicht wirklich dienlich sein, denn die so gewonnene "Dehnbarkeit" ist, je nach Material, sehr begrenzt. – Jedenfalls im Vergleich zu Stretchstoffen!
    Ich möchte natürlich nicht anzweifeln, dass die ein oder andere Dame durch den Bias Cut eben doch in ein Kleid passt, dass ihr bei konventionellem Zuschnitt nicht passen würde, doch geht das stets zu Lasten der Optik. Schlimmstenfalls macht es aus "edel" dann "billig".
    Der Grund für den Bias Cut lag und liegt in der Optik oder: genauer im "Fall" der Stoffe. Stoffe waren gewebt und damit – je nach Material – eher steif. Sie waren damit eher weniger für Drapees und Raffungen geeignet, aber vorzüglich für voluminöse Sihouetten und Falten.
    Was mit "Fall" des Stoffes gemeint ist, lässt sich auf zwei Bildern oben erkennen.
    Da ist zunächst das Samtkleid mit Faltenrüschen an Ausschnitt und Rocksaum. Das Kleid ist aus schwerem (Gewicht pro Quadratzentimeter) Samt, also einem fest gewebten Material. Das sollte guter Samt auch sein, weil die kurzen Florfäden andernfalls nicht halten würden. Die Webart macht das Material fest und etwas steif, was am voluminösen Rock gut zu erkennen ist. Der Fall dieses Stoffes dürfte im mittleren Bereich angesiedelt sein und auch dem tatsächlichen Stoffgewicht gerecht werden.
    Passend auch die Rüschen, die entsprechend der Webart des Stoffes in Falten (nicht Kräusel) gelegt sind und mit den klar definierten (Falten-)brüchen eine geometrische Optik erzeugen. Solche Falten ließen sich mit einem Bias Cut kaum erreichen.

    • Rain_Elixirs /

      Hallo Hexihex,
      danke für Deine superlangen Kommentare, die schon fast eigene Artikel sind :-)
      Bezüglich des Eyeliner Tutorials: Ein schöner Eyeliner Strich ist sozusagen die Krönung eines Makeups. Bei mir gehört der Strich auch zur privaten Makeup Routine. Und ich weiss, das ganze viele Mädels Probleme damit haben. Ich wurde als Teenager von meinen Freundinnen danach gefragt und später auch als Visagistin immer wieder, warum ich das so gut bei völlig unterschiedlichen Frauenaugen kann und sie noch nicht einmal bei sich selbst. Als Artikel habe ich es bis jetzt trotzdem aus mehreren Gründen (noch) nicht im Programm:
      1. Das Medium Schrift plus Fotografien ist einfach nicht optimal, um jemandem dabei wirklich zu helfen. Denn in der Theorie wissen die meisten ganz genau, wie die Striche aussehen sollen und wie es geht, sie können es aus unterschiedlichen Gründen aber einfach nicht umsetzen, sei es, dass es an störenden Wimpern liegt, an der Form des Auges, an Fältchen, die im Weg sind usw.
      2. Es gibt einfach schon unendlich viele Tutorials in Beauty Blogs zu genau diesem Thema und es ist schwer, einen Artikel dann so bei google zu positionieren, dass er überhaupt gefunden wird.
      Lange Worte kurzer Sinn: Es ist das ideale Thema in einem Pinup Makeup und Frisuren Workshop, wo man jeden einzelnen direkt vor sich hat und so etwas biete ich vielleicht in gar nicht so ferner Zukunft mal an.

      Zu Deinem persönlichen Problem: Es gibt zwar kleine Tricks, um das Ziehen eines Eyeliner Strichs zu erleichtern, aber im Endeffekt lässt sich alles auf eine Sache zurückführen und das ist Übung. Der Pinsel muss leicht, aber mit Schwung geführt werden. Manche haben einfach von Natur aus eine ruhigere Hand, den nötigen \“Mut\“, den Pinsel bis zum Ende durchzuziehen und erkennen leicht, wie sie auf ihre persönliche \“Augensituation\“ reagieren und andere müssen das eben üben und üben und üben.

  2. hexihex /

    Kommentar, Teil 2
    Das nächste Bild: Jean Harlow im Seidenkleid. –
    Ebenfalls ein gewebter Stoff, nur eben viel leichter (Stoffgewicht) als der Samt.
    Hier hat der Stoff, obwohl ein leichter Stoff, einen schweren Fall. Tatsächlich handelt es sich hier vom Stoffgewicht her nicht um das leichteste Seidenmaterial (Chiffon), aber dennoch um ein Material, das im geraden Fadenlauf zugeschnitten einen leichteren Fall hätte, was zu Lasten der Figurbetonung ginge.
    Dieses Modell ist deshalb im schrägen Fadenlauf zugeschnitten, eben dem Bias Cut, der dem Stoff einen schweren Fall gibt.
    Was nun dieser "Fall" ist, lässt sich sehr schön im unteren Rockbereich erkennen. Unterhalb des Knies "fallen" die Seitennähte gerade und körpernah Richtung Boden. Der Stoff scheint wie Flüssigmetall am Körper entlang zu fleißen und eben diesen Effekt könnte man mit demselben Stoff im geraden Fadenlauf zugeschnitten, nicht in dieser Perfektion erreichen.
    Da ich nun gerade bei der Perfektion bin. Auch die ist am Bild zu erkennen. Unterhalb der Brust sind Schrägzüge zu sehen, die hier allein durch die Körperhaltung (Pose) bedingt sind. Etwa so, nur größer, unförmiger, ungleichmäßiger verteilt und hässlicher würden die Schrägzüge aussehen, wenn ein Bias Cut – wie oben schon erwähnt – nicht perfekt passt. Das soll heißen, dass ein Stoffzuschnitt im schrägen Fadenlauf ein an die körperlichen Gegebenheiten angepasstes Schnittmuster erfordert und das in weitaus größerem Maße, als es bei einem Zuschnitt im geraden Fadenlauf der Fall sein müsste.
    Hier zeigt sich die Perfektion in der Mittelnaht im Vorderteil.
    Wäre es nicht schön, wenn es da keine Naht gäbe? "Na klar, ganz sicher" wird jetzt mancher denken und ich wäre glatt geneigt dem zuzustimmen, wenn ich es nicht besser wüsste.
    Ich gehe davon aus, dass sich eine solche "taktische" Naht auch im Rückenteil des Kleides finden wird.
    Ich nenne sie einfach mal so, weil es eine Naht ist, auf die man vezichten könnte, jedoch nicht sollte.
    Es handelt sich hierbei um eine Stütznaht, wobei die eigentliche Stütznaht von außen nicht zu sehen ist, denn sie liegt innen auf der Nahtzugabe. Sie dient der Stabilität der Form – sorgt dafür, dass sich das Vorderteil in der Bewegung nicht unnötig (über-)dehnt und angesichts des feinen Materials ggf. (künftig sichtbar) ausleiert und damit grausig aussieht. Genau hier wird deutlich, warum der Bias Cut nicht die einfachste, wenngleich die schönste, Verarbeitungsvariante für dünne, glitschige oder fluffige Seiden-(stoffe) ist.
    Wer auch immer dieses Kleid entworfen hat, hatte Ahnung vom (von seinem?) Handwerk.

    Ach ja, den Bias Cut findet man auch gelegentlich auf anderen Stoffen wenn es um die Optik geht.
    (z. B. wenn gewebte – nicht gedruckte – Karos auf einem Kleidungsstück diagonal, d.h. auf die Spitze gestellt, verlaufen sollen.)

    • Rain_Elixirs /

      Hexihex, Du bist wohl Schneiderin. Ich interessiere mich total für Kostümschneiderei und habe auch eine tolle Husquarna Nähmaschine, aber mir fehlt leider komplett die Zeit, mich insbesondere in der Praxis wirklich tiefgehend damit zu befassen, obwohl ich wunderschöne alte Schnittmuster auf Lager habe. Hier im Blog reisse ich solche Themen nur minimal an, das ist für viele \“too much information\“, aber Danke, dass Du Dein Fachwissen mit uns allen teilst :-)

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